08 Clostridium botulinum (Botulismus)

ICD10: TA05.1T Botulismus (Klassische Lebensmittelvergiftung durch Clostridium botulinum)

 

Vorbemerkung

In dieser Übermittlungskategorie sind auch Toxinnachweise bei anderen Botulinum-Toxin produzierenden Clostridien als C. botulinum enthalten, nämlich z.B. bei C. butyricum (nur Toxintyp E) oder C. baratii (nur Typ F).

Klinisches Bild

Klinisches Bild eines akuten Botulismus, definiert als eine der beiden folgenden Formen:

· TLebensmittelbedingter oder WundbotulismusT, definiert alsT mindestens einesT der sechs folgenden Kriterien:

- Hirnnervenstörung, z.B. Ptosis (Herabhängen des Oberlids), Sehstörungen (Doppelbilder), Schluckstörungen,

- innerhalb weniger Tage fortschreitende, symmetrische, absteigende schlaffe Lähmung,

- Dyspnoe (Atemstörung),

- Erbrechen,

- Übelkeit,

- Bauchschmerzen.

ICD10: TA05.1T Botulismus (Klassische Lebensmittelvergiftung durch Clostridium botulinum)

· TSäuglingsbotulismusT, definiert als Tmindestens einesT der sieben folgenden Kriterien bei einem Kind im ersten Lebensjahr:

- schlaffe Lähmungen,

- anhaltende Obstipation (Verstopfung),

- Gedeihstörung,

- Trinkschwäche,

- Schluckstörungen,

- allgemeine Muskelschwäche,

- Dyspnoe (Atemstörung).

Zusatzinformation

Lebensmittelbedingter und Wundbotulismus sind nicht als eigenständige klinische Formen aufgeführt, da sie sich hinsichtlich der Definition ihres klinischen Bildes nicht unterscheiden. Ihre Unterscheidung basiert auf der Herkunft des Toxins, nämlich von kontaminierten Lebensmitteln bei lebensmittel­bedingtem Botulismus, und von in Wunden siedelnden Botulinum-Toxin produzierenden Clostridien (typischerweise C. botulinum) bei Wundbotulismus.

Labordiagnostischer Nachweis

Positiver Befund mit Tmindestens einerT der beiden folgenden Methoden:

[direkter Erregernachweis:]

- Erregerisolierung (kulturell) Tnur aus StuhlT (typischerweise bei Säuglingsbotulismus) ToderT TWundmaterialT (Wundbotulismus),

[Toxinnachweis:]

- Nachweis von Botulinum-Toxin (z.B. ELISA, Maus-Bioassay) Tnur in Blut, Stuhl, Mageninhalt oder ErbrochenemT.

Epidemiologische Bestätigung

Epidemiologische Bestätigung, definiert als Tmindestens einerT der beiden folgenden Nachweise unter Berücksichtigung der Inkubationszeit:

· TEpidemiologischer ZusammenhangT mit einer labordiagnostisch nachgewiesenen Infektion beim TMenschenT durch

- gemeinsame Expositionsquelle (z.B. XLebensmittelX),

· TVerzehrT eines TLebensmittelsT, in dessen Resten Botulinum-Toxin oder (bei Säuglingsbotulismus) Sporen (z.B. in Honig) labordiagnostisch nachgewiesen wurden.

Inkubationszeit ca. 12-36 Stunden, gelegentlich mehrere Tage.

 

Über die zuständige Landesbehörde an das RKI zu übermittelnder Fall

A. Klinisch diagnostizierte Erkrankung

Entfällt.

B. Klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankung

Klinisches Bild eines akuten Botulismus, ohne labordiagnostischen Nachweis, aber mit epidemiologischer Bestätigung.

C. Klinisch-labordiagnostisch bestätigte Erkrankung

Klinisches Bild eines akuten Botulismus und labordiagnostischer Nachweis.

D. Labordiagnostisch nachgewiesener Fall bei nicht erfülltem klinischen Bild

Labordiagnostischer Nachweis bei bekanntem klinischen Bild, das die Kriterien für einen akuten Botulismus nicht erfüllt.

E. Labordiagnostisch nachgewiesener Fall bei unbekanntem klinischen Bild

Labordiagnostischer Nachweis bei fehlenden Angaben zum klinischen Bild (nicht ermittelbar oder nicht erhoben).

 

Referenzdefinition

In Veröffentlichungen des Robert Koch-Instituts, die nicht nach Falldefinitionskategorien differenzieren (z.B. wöchentliche „Aktuelle Statistik meldepflichtiger Infektionskrankheiten“ im Epidemiologischen Bulletin), werden nur Erkrankungen der Kategorien TBT und TCT gezählt.

 

Gesetzliche Grundlage

Meldepflicht

Dem Gesundheitsamt wird gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a IfSG der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod an Botulismus, sowie gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 7 IfSG der direkte oder indirekte Nachweis von Clostridium botulinum oder seinem TToxinT, soweit er auf eine akute Infektion hinweist, namentlich gemeldet. Darüber hinaus stellt das Gesundheitsamt gemäß § 25 Abs. 1 IfSG ggf. eigene Ermittlungen an.

Übermittlung

Das Gesundheitsamt übermittelt gemäß § 11 Abs. 1 IfSG an die zuständige Landesbehörde nur Erkrankungs- oder Todesfälle und Erregernachweise, die der Falldefinition gemäß § 4 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. a IfSG entsprechen.

Urheberrecht

Mit freundlicher Erlaubnis des Robert Koch-Instituts Berlin. TDort finden Sie auchT eine Auflistung sämtlicher aktueller Falldefinitionen: (Externer Link!RKI )