37 Neisseria meningitidis (invasive Meningokokken-Erkrankung)

ICD10: TA39.-T Meningokokkeninfektion,
TA39.0T Meningokokkenmeningitis,
TA39.1T Waterhouse-Friderichsen-Syndrom (Hämorrhagische Entzündung der Nebenniere durch Meningokokken, Meningokokkensepsis mit Nebennierenblutung),
TA39.2T Akute Meningokokkensepsis,
(nicht A39.3 Chronische Meningokokkensepsis)
TA39.4T Meningokokkensepsis, nicht näher bezeichnet (Meningokokken-Bakteriämie o.n.A.),
TA39.5T Herzkrankheit durch Meningokokken (Endokarditis, Karditis o.n.A., Myokarditis,
Perikarditis durch Meningokokken),
TA39.8T Sonstige Meningokokkeninfektionen (Arthritis nach Meningokokkeninfektion, Arthritis, Enzephalitis, Konjunktivitis, retrobulbäre Neuritis durch Meningokokken),
TA39.9T Meningokokkeninfektion, nicht näher bezeichnet (Krankheit durch Meningokokken o.n.A.)

 

Klinisches Bild

Klinisches Bild einer invasiven Meningokokken-Erkrankung, definiert als Tmindestens einesT der fünf folgenden Kriterien:

- XFieberX,

- meningeale Zeichen (z.B. Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, veränderte Bewusstseinslage),

- Hautveränderungen (z.B. makulopapulöses Exanthem, punktförmige (Petechien) oder flächige (Ekchymosen) Einblutungen der Haut und Schleimhäute),

- Hirndruckzeichen (z.B. aufgetriebene Fontanelle, Erbrechen),

- Zeichen des Kreislaufversagens.

Das klinische Bild kann zusätzlich die folgende Form annehmen:

· Klinisches Bild einer Purpura fulminans (inkl. TWaterhouse-Friderichsen-SyndromT), definiert als Vorliegen der beiden folgenden Kriterien:

- sXeptisches KrankheitsbildX,

- rasch fortschreitende Einblutungen der Haut und Schleimhäute.

ICD10: TA39.1T Waterhouse-Friderichsen-Syndrom (Hämorrhagische Entzündung der Nebenniere durch
Meningokokken, Meningokokkensepsis mit Nebennierenblutung)

Zusatzinformationen

- Vor allem bei Kleinkindern können die klinischen Zeichen der Meningitis zunächst auf Erbrechen und Fieber beschränkt sein.

- Das klinische Bild eines Waterhouse-Friderichsen-Syndroms wird typischerweise durch N. meningitidis, gelegentlich jedoch auch durch andere Erreger, z.B. Pneumokokken, Haemophilus influenzae oder Staphylokokken, verursacht.

- Bei impfpräventablen Krankheiten sollten stets Angaben zur Impfanamnese (Anzahl der vorangegan­genen Impfungen, Art und Datum der letzten Impfung) erhoben (z.B. Impfbuchkontrolle) und über­mittelt werden.

Labordiagnostischer Nachweis

Positiver Befund mit Tmindestens einerT der vier folgenden Methoden:

[direkter Erregernachweis Tnur in Blut, Liquor, hämorrhagischen Hautinfiltraten oder anderen TTnTXormalerweise sterileXTn klinischen MaterialienT:]

- Erregerisolierung (kulturell),

- mikroskopischer Nachweis von gram-negativen Diplokokken,

- XNukleinsäure-NachweisX (z.B. PCR),

- Antigennachweis des Kapselpolysaccharids (z.B. Latexagglutinationstest), auch als Schnelltest bezeichnet, Tnur im LiquorT.

Zusatzinformationen

- Das Ergebnis der Serogruppenbestimmung sowie einer weitergehenden Feintypisierung sollte übermittelt werden. Nur die Serogruppen A, C, W135 und Y sind impfpräventabel.

- Bei antibiotisch anbehandelten Patienten ist der Nukleinsäure-Nachweis mittels PCR möglich.

 

Epidemiologische Bestätigung

Epidemiologische Bestätigung, definiert als folgender Nachweis unter Berücksichtigung der Inkubationszeit:

· TEpidemiologischer ZusammenhangT mit einer labordiagnostisch nachgewiesenen Infektion beim TMenschenT durch

- Mensch-zu-Mensch-Übertragung.

Inkubationszeit ca. 2-10 Tage.

 

Über die zuständige Landesbehörde an das RKI zu übermittelnder Fall

A. Klinisch diagnostizierte Erkrankung

Entfällt.

B. Klinisch-epidemiologisch bestätigte Erkrankung

Klinisches Bild einer invasiven Meningokokken-Erkrankung, ohne labordiagnostischen Nachweis, aber mit epidemiologischer Bestätigung.

C. Klinisch-labordiagnostisch bestätigte Erkrankung

Klinisches Bild einer invasiven Meningokokken-Erkrankung und labordiagnostischer Nachweis.

D. Labordiagnostisch nachgewiesene Infektion bei nicht erfülltem klinischen Bild

Labordiagnostischer Nachweis bei bekanntem klinischen Bild, das die Kriterien für eine invasive Meningokokken-Erkrankung nicht erfüllt.

E. Labordiagnostisch nachgewiesene Infektion bei unbekanntem klinischen Bild

Labordiagnostischer Nachweis bei fehlenden Angaben zum klinischen Bild (nicht ermittelbar oder nicht erhoben).

Referenzdefinition

In Veröffentlichungen des Robert Koch-Instituts, die nicht nach Falldefinitionskategorien differenzieren (z.B. wöchentliche „Aktuelle Statistik meldepflichtiger Infektionskrankheiten“ im Epidemiologischen Bulletin), werden nur Erkrankungen der Kategorien TBT und TCT gezählt.

 

Gesetzliche Grundlage

Meldepflicht

Dem Gesundheitsamt wird gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. i IfSG der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod an Meningokokken-Meningitis oder -Sepsis, sowie gemäß § 7 Abs. 1 Nr. 33 IfSG Tnur der direkte NachweisT von Neisseria meningitidis, Taus Liquor, Blut, hämorrhagischen Hautinfiltraten oder anderen normalerweise sterilen SubstratenT, soweit er auf eine akute Infektion hinweist, namentlich gemeldet. Darüber hinaus stellt das Gesundheits­amt gemäß § 25 Abs. 1 IfSG ggf. eigene Ermittlungen an.

Übermittlung

Das Gesundheitsamt übermittelt gemäß § 11 Abs. 1 IfSG an die zuständige Landesbehörde nur Erkrankungs- oder Todesfälle und Erregernachweise, die der Falldefinition gemäß § 4 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. a IfSG entsprechen.

Urheberrecht

Mit freundlicher Erlaubnis des Robert Koch-Instituts Berlin. TDort finden Sie auchT eine Auflistung sämtlicher aktueller Falldefinitionen: (Externer Link!RKI )