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Basiswissen Qualitätssicherung - Qualitätsmanagement - Qualitätsentwicklung

Die Begriffe Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement und Qualitätsentwicklung werden häufig synonym, mitunter aber auch in Abgrenzung voneinander verwendet (siehe auch Ruckstuhl 2009). Das Begriffswirrwarr kennzeichnet den Stand der Diskussion: Diese ist noch am Anfang, vieles ist im Fluss und noch nicht für die Gesundheitsförderung angepasst. Über die Ausrichtung der verschiedenen Ansätze wird kontrovers diskutiert.

Qualitätssicherung
In der Industrie ist Qualitätssicherung ein Teil des Qualitätsmanagements. Julika Loss und Kollegen (2007) schlagen eine ähnliche Begriffsdifferenzierung für die Gesundheitsförderung vor. Sie begreifen Qualitätssicherung als Verfahren, das "auf die Gewährleistung, Erhaltung und Verbesserung der Qualität von Prozessen und Angeboten" abzielt (Loss et al. 2007, S. 199).

Qualitätsmanagement
Der Begriff Qualitätsmanagement bezieht sich in der Industrie und dem Dienstleistungsgewerbe auf das gesamte Unternehmen ("Qualität als Unternehmensphilosophie") und umfasst drei aufeinander folgende Schritte:

  1. Datenerhebung,
  2. Begutachtung,
  3. Rückkoppelung.

Besonders bekannt ist das Total Quality Management (TQM) der European Foundation of Quality Management (EFQM), das ein umfassendes Zertifizierungssystem beinhaltet. Der Total Quality-Ansatz besagt, dass Qualität nur in einem ganzheitlichen Prozess umgesetzt werden kann, der sich am Ergebnis (des Produktes oder der Dienstleistung) orientiert und die Beziehung zwischen Unternehmen und Kunden in den Vordergrund stellt. "Kundenzufriedenheit" ist deshalb auch einer der zentralen Begriffe. Nach dem TQM-Ansatz ist Qualität ein umfassendes Systemziel, das mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines Unternehmens oder einer Institution erreicht werden soll. TQM bezeichnet also eine Unternehmenskultur, die von der Führungsebene vorgegeben, aber von allen Beschäftigten mitgetragen wird, Ziel ist Exzellenz, also die bestmögliche Praxis.

Die EFQM hat einen Kriterienkatalog erarbeitet, der von Unternehmen zur Selbstbewertung genutzt werden kann. Dieser Katalog umfasst 9 Hauptkriterien mit 32 Qualitätsindikatoren, die sich zum Beispiel auf die kundenbezogenen Ergebnisse oder die Führung beziehen. Ein solches Qualitätsmanagementsystem ist für die Gesundheitsförderung nur bedingt geeignet. Nur in den seltensten Fällen sind die Anbieter von Gesundheitsförderungsangeboten groß genug, sich einem Vorgehen anzuschließen, das die gesamte Institution umfasst. In der Gesundheitsförderung wird Qualitätsmanagement deshalb auch für kleinere Einheiten diskutiert und definiert. Häufig "passt" ein Ansatz, der sich aus einem Projekt oder einer Maßnahme heraus entwickelt, auch viel besser zu den Grundsätzen gesundheitsförderlicher Arbeit.

Qualitätsentwicklung
Im Vergleich zu diesen allgemeinen Ansätzen wurde der Begriff der Qualitätsentwicklung speziell für die Gesundheitsförderung vor allem im Rahmen des Kooperationsverbundes "Gesundheitliche Chancengleichheit" entwickelt (Kilian et al. 2009). Ein wichtiges Projekt dieses Verbundes ist die „Praxisdatenbank Gesundheitliche Chancengleichheit“, in die sich etwa 2.000 Projekte eingetragen haben. In diesem Projekt wurden 12 Kriterien zur Selbstbeurteilung entwickelt, die Projektgruppen an ihre eigene Arbeit anlegen können. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und Gesundheit Berlin e. V., die den Kooperationsverbund initiiert haben beziehungsweise koordinieren, wählen für diesen Abgleich den Begriff "Qualitätsentwicklung", um deutlich zu machen, dass es vor allem um einen Sensibilisierungsprozess geht.

Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement und Qualitätsentwicklung in der Gesundheitsförderung
Letztlich werden die verschiedenen Begriffe im Zusammenhang mit Qualität in der Gesundheitsförderung nicht trennscharf benutzt. Wie auch immer die Begriffe den Prozess akzentuieren - sie haben gemeinsam,

  • dass sich Qualität nicht automatisch einstellt ("Gut gemeint ist nicht unbedingt gut gemacht"),
  • dass mit Qualitätsentwicklung, Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung immer verbunden ist, die Ziele der Gesundheitsförderung zu definieren und messbar zu machen,
  • dass Qualität gemessen werden kann und muss,
  • und dass Entwicklung oder Sicherung von Qualität immer mit einem Denken in Regelkreisen verbunden ist.

Das Denken in Regelkreisen veranschaulicht der Public Health Action Cycle (siehe zum Beispiel Ruckstuhl et al. 1997): Auf die Problemanalyse folgt die Ableitung einer Interventionsstrategie, darauf die Umsetzung beziehungsweise Implementation und schließlich die Bewertung/Evaluation.

Public Health Action Cycle (Kolip, 2006)

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