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Philosophie des Leitfadens

Einführung

Qualitätsentwicklung hat seit langem Einzug in die Gesundheitsförderung und Prävention gehalten. Eine sorgfältige Projektplanung, die Dokumentation der Aktivitäten oder eine Kontrolle des Budgets sind selbstverständliche Bestandteile der Arbeit von Institutionen und Einrichtungen, die im Feld der Gesundheitsförderung aktiv sind. Zahlreiche größere Einrichtungen arbeiten zudem bereits seit vielen Jahren mit einem Qualitätsmanagement. Diese Ansätze haben das Bewusstsein dafür geschärft, dass die Umsetzung geplanter Aktivitäten nicht automatisch gut gelingt, sondern eine systematische Planung und Reflexion des Prozesses erfordert.

Seit einigen Jahren wird zunehmend das Bedürfnis formuliert, nicht nur die Prozesse zu reflektieren und die Aktivitäten zu dokumentieren, sondern darüber hinaus auch die Effekte und Wirkungen zu erfassen:

  • Wurde die Zielgruppe erreicht? Hat die Zielgruppe das Angebot angenommen?
  • Konnte das Verhalten der Zielgruppe verändert werden? 
  • Konnten Strukturen wie geplant verändert werden?

Diese Fragen verweisen auf die Wirkung der Interventionen sowohl auf Verhaltens- als auch auf Verhältnisebene. Zahlreiche Institutionen und Projekte sind nicht mehr damit zufrieden, bloß darzustellen, was sie tun, sondern sie wollen auch die mit den Aktivitäten erzielten Wirkungen abbilden. Um Fragen wie die oben genannten zu beantworten, reicht eine bloße Dokumentation der Projektaktivitäten deshalb nicht mehr aus, vielmehr ist es hierzu notwendig, mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Methoden die Wirkung zu erfassen - eine Evaluation durchzuführen.

Viele Praxiseinrichtungen zögern, diesen Schritt zu gehen, weil ihnen die Evaluation wie ein Buch mit sieben Siegeln vorkommt.

AusrufezeichenKleinere Evaluationsstudien lassen sich durchaus in Eigenregie durchführen. Das methodische Wissen, das hierzu benötigt wird, lässt sich leicht aneignen.

Die Scheu vor einer Ergebnisevaluation rührt sicherlich auch daher, dass eine Evaluation sehr aufwändig sein und auf wissenschaftlich hohem Niveau durchgeführt werden kann. So wurden in den vergangenen Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in insgesamt vier Förderrunden Projekte finanziert, die sich mit der Evaluation von Interventionen in Prävention und Gesundheitsförderung befasst haben. Diese Projekte haben mit zum Teil hoch komplexen Forschungsdesigns das Wissen über die Wirkung von Interventionen erweitert.

Für Praxiseinrichtungen sind solche Forschungsprojekte aber in der Regel nicht umsetzbar, weil sie viel zu aufwändig sind und eine große Methodenexpertise erfordern. Dies bedeutet aber nicht, dass in der Praxis keine Evaluationen durchgeführt werden können. Im Gegenteil! Dieser Leitfaden will Sie dazu ermuntern und Sie mit methodischem Hintergrundwissen vertraut machen. Er soll Sie in die Lage versetzen, entweder selbst eine Evaluation zur Erfassung der Wirkung Ihrer Intervention durchzuführen (Selbstevaluation) oder die Angebote von externen Evaluatorinnen und Evaluatoren zu beurteilen (und in den Gesprächen die richtigen Fragen zu stellen), wenn Sie eine Fremdevaluation durchführen wollen. Der Leitfaden will Akteurinnen und Akteure der Prävention und Gesundheitsförderung sowie aus dem Bildungs- und Sozialbereich in die Grundlagen der Ergebnisevaluation einführen. Auch wenn an der einen oder anderen Stelle methodische Abstriche gemacht werden müssen: Kleinere Studien können durchaus mit "Bordmitteln" durchgeführt werden und geben Antwort auf die Frage, was die eigenen Aktivitäten eigentlich bringen.

Internetadresse

Kooperation für nachhaltige Präventionsforschung (KNP): www.knp-forschung.de (Abruf: 31.01.2019).
In der Projektdatenbank der KNP sind die Projekte des BMBF dokumentiert.

Themenbereich Qualität in Gesundheitsförderung und Prävention: www.lzg.nrw.de/qualitaet (Abruf: 31.01.2019).
Auf der Internetseite finden Sie zahlreiche Materialien, unter anderem themenspezifische Leitfäden und Planungshilfen.

Evaluationstools.de:  www.lzg.nrw.de/ges_foerd/qualitaet/evaluationstools/index.html (Abruf: 31.01.2019).
Die Seite bietet eine Übersicht über Erhebungsinstrumente, die sich in der Evaluation einsetzen lassen.