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Was sind multiresistente Erreger (MRE)?

Erreger mit Vielfachresistenzen gegen Antibiotika (Multiresistente Erreger, MRE) sind Bakterien, gegen die die meisten Antibiotika unwirksam geworden sind. Dazu gehören unter anderem Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) und multiresistente gramnegative Stäbchen (MRGN). Hier finden sie einen Überblick über die wichtigsten multiresistenten Erreger.

MRSA

VRE

MRGN

MRSA - das Wichtigste in Kürze
Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das natürlicherweise auf der Schleimhaut des Nasenvorhofs oder im Rachen von jedem zweiten bis dritten Menschen lebt (Besiedlung). Seltener kann auch die Haut vor allem der Leisten oder Achselhöhlen besiedelt sein. Das ist ein Normalzustand, hat keinen Krankheitswert und muss nicht behandelt werden. Normalerweise verursachen diese besiedelnden Bakterien keine Infektionen (also keine Entzündungen und Krankheitsbeschwerden).

Bei Verletzung der Haut oder auch durch medizinische Maßnahmen, wie zum Beispiel eine Operation, kann S. aureus unter anderem Wundinfektionen verursachen. Im Fall einer Infektion helfen Antibiotika, die Bakterien zu eliminieren. Manche S. aureus-Stämme sind unempfindlich (resistent) gegenüber üblicherweise zur Behandlung von Infektionen verwendeten Antibiotika geworden; solche S. aureus-Stämme nennt man Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) oder Oxacillin-resistente S. aureus (ORSA). Genau wie antibioikaempfindliche S. aureus können MRSA den Menschen besiedeln, ohne dass dies Krankheitswert hat, sie können aber auch Infektionen verursachen. Aufgrund der Unempfindlichkeit gegenüber verschiedenen Antibiotika ist die Behandlung von MRSA schwieriger.

Der wichtigste Übertragungsweg für MRSA ist die direkte Übertragung zwischen Menschen. Hierbei steht die Übertragung über die Hände im Vordergrund. Eine sorgfältige Händehygiene ist deswegen auch die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung der Weiterverbreitung.

VRE - das Wichtigste in Kürze
Enterokokken sind Bakterien, die zu der normalen Darmflora des Menschen gehören. Sie besiedeln den Darm, ohne Beschwerden hervorzurufen, und erfüllen eine wichtige Rolle im Verdauungssystem. Gelangen Enterokokken in andere Körperregionen, können sie dort Infektionen verursachen und neben Wund- und Harnwegsinfektionen auch schwere Infektionen wie zum Beispiel eine Blutvergiftung (Sepsis) hervorrufen.

Infektionen durch Enterokokken behandelt man mit Antibiotika. Bei Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE) handelt es sich um Enterokokken mit einer Resistenz gegenüber dem Reserveantibiotikum Vancomycin. Da häufig auch ein zweites Antibiotikum (Teicoplanin) derselben Wirkstoffgruppe keine bakterizide Wirkung mehr zeigt, spricht man auch von Glykopeptid-resistenten Enterokokken (GRE). VRE können dieselben Infektionen wie die antibiotikaempfindlichen Enterokokken hervorrufen. Die Therapie von VRE-Infektionen gestaltet sich aufgrund der Unempfindlichkeit gegenüber verschiedenen Antibiotika schwieriger. VRE, die eine Infektion hervorrufen, entstammen entweder der Darmflora der erkrankten Person, oder wurden nosokomial (im Krankenhaus) erworben. VRE werden meist über die Hände (fäkal-orale Schmierinfektion) übertragen. Auch von kontaminierten Gegenständen kann VRE übertragen werden. Zur Vermeidung einer Übertragung von VRE ist eine sorgfältige Händehygiene sehr wichtig.

MRGN - das Wichtigste in Kürze
Im Darm und auch auf der Haut des Menschen befinden sich natürlicherweise zahlreiche unterschiedliche Bakterien, welche wichtige Funktionen erfüllen. Einige dieser Bakterien fasst man aufgrund ihres Aussehens unter dem Mikroskop als "gramnegative Stäbchen-Bakterien" zusammen. Dazu gehören sogenannte Enterobakterien wie Escherichia coli (E. coli), Klebsiella pneumoniae (K. pneumoniae), und andere Erreger wie Pseudomonas aeruginosa oder Acinetobacter baumannii.

Gelangen diese Bakterien in Wunden, in die Blutbahn oder in andere Körperregionen, können sie jedoch Infektionen wie Wundentzündungen, Lungenentzündungen, Blasenentzündungen oder Blutvergiftungen hervorrufen. Unter den natürlich vorkommenden Bakterien können sich auch Bakterien befinden, die gegen viele Antibiotika unempfindlich (resistent) geworden sind. Diese werden unter dem Begriff multiresistente gramnegative Stäbchen (MRGN) zusammengefasst.

Eine Besiedlung mit MRGN ist bei gesunden Personen unproblematisch und hat keinen Krankheitswert. Problematisch wird es dann, wenn es zu einer Infektion kommt. MRGN lösen zwar dieselben Infektionen wie die antibiotikasensiblen Varianten aus, jedoch ist aufgrund ihrer Unempfindlichkeit gegenüber bestimmten Antibiotika eine Therapie erschwert. MRGN können sowohl von Person zu Person übertragen werden, als auch durch kontaminierte Gegenstände aus der Umgebung der Patientin oder des Patienten. Auch hier ist die Händehygiene die wichtigste Maßnahme gegen eine Verbreitung der Bakterien.

Letzte Änderung: 06.12.2016