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Resistenzlage

Im Bereich der ambulanten Versorgung werden 85 % des gesamten Antibiotikaverbrauchs verordnet. Im Jahr 2014 wurden 45 Millionen Antibiotikaverordnungen von den gesetzlichen Krankenkassen registriert. Besonders das Verordnungsvolumen von ß-Lactam-Antibiotika mit erweitertem Spektrum (Flucloxacillin, Oralcephalosporine, Aminopenicillin und andere ß-Lactamase-Inhibitor-Kombinationen) hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt. ß-Lactamantibiotika werden in westlichen Bundesländern häufiger verordnet als in östlichen.

Bei Betrachtung der Tagesdosen ist Amoxicillin das am häufigsten verschriebene Antibiotikum im ambulanten Sektor. An zweiter Stelle folgt das "Reserveantibiotikum" Cefuroxim-Axetil. Dieses wird jedoch in keiner deutschen Behandlungsleitlinie als "Mittel der Wahl" genannt. Fluorchinolone werden besonders bei älteren Patientinnen und Patienten verwendet [7, 8].

Seit einigen Jahren wird am RKI die Antibiotika Resistenz Surveillance (ARS) aufgebaut. Dort stehen aktuelle, regionale (NRW=Region "West") und bundesweite Resistenzdaten zur Verfügung.

Seit der ersten Erstellung des GERMAP-Berichts in 2007 hat sich die Antibiotikaresistenz-Situation in Deutschland stark verändert. Die Häufigkeit von Makrolid-Resistenzen bei invasiven Pneumokokken-Erkrankungen ist bei Kindern und Erwachsenen im Jahr 2013 und 2014 auf unter 10 % gesunken (2007: Kinder 20,8 %; Erwachsene 16,2 %). Der Anteil Penicillin-resistenter Bakterien beläuft sich bei Kindern aktuell auf 3 bis 4 %, bei Erwachsenen auf ca. 1 %. Der Anteil mäßig Penicillin-resistenter Stämme (intermediär Stämme) erhöhte sich im Jahr 2013 auf 40 %. Jedoch halbierte sich im darauffolgenden Jahr der Anteil wieder auf 22 % [8].

Die Inzidenz von Tuberkuloseinfektion lag im Jahr 2016 bei 7,2 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner (5.915 Fälle). Bei 64,8 % der Fälle liegen Informationen über die Resistenztestung gegen Isoniazid und Rifampicin vor. Eine Resistenz gegen eins der fünf Standartmedikamente lag bei 489 Fällen vor (12,8 %). Eine multiresistente Tuberkulose (hier definiert als Resistenz mindestens gegen Isoniazid und Rifampicin) wurde bei mindestens 104 Fällen angegeben (2,7 %) [11].

Bei dem Anteil Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) -Infektionen ist in Deutschland weiterhin ein rückläufiger Trend beobachtbar. Die Inzidenz belief sich in Deutschland im Jahr 2014 auf 4,8 Infektionen auf 100.000 Einwohner (3.841 Fälle). Im Jahr 2013 lag die Inzidenz noch bei 5,6. Der Rückgang ist auf die vermehrt auftretenden Variationen ST22 (Barnimer Epidemiestamm) und ST225 (Rhein-Hessen-Epidemiestamm) zurückzuführen. Diese weisen ein geringes Resistenzspektrum auf. Im Krankenhaus sind 90 % der MRSA-Infektionen auf hospital-associated-MRSA (HA-MRSA) zurückzuführen. Im ambulanten Bereich beläuft sich der Anteil an health-care-associated-MRSA (HCA-MRSA) auf 70 % [8].

Im stationären Bereich ist keine fortschreitende Zunahme von resistenten Escherichia coli-Isolaten beobachtbar. Während sich im Jahr 2010 der Anteil der Extended-Spektrum-ß-Lactamase (ESBL)-bildenden Stämme auf 17,4 % belief, reduzierte sich der Anteil im Jahr 2013 auf 14,9 %. Das Resistenzniveau von ESBL-bildenden und Fluorchinolon-resistenten E. coli ist im ambulanten Sektor deutlich niedriger als im stationären Bereich. Dies ist darauf zurückzuführen, dass primär Proben von Patientinnen und Patienten mit Risikofaktoren für multiresistente Erreger an mikrobiologische Labore gesendet werden. Es wird davon ausgegangen, dass 7 % der Bevölkerung mit ESBL besiedelt sind [8]. Im Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) wird für E. coli im Jahr 2016 im stationären Bereich in Deutschland eine Cefotaxim Resistenzrate von 12,7 % angegeben [2].

[2] Robert Koch-Institut, Antibiotika Resistenz Surveillance (Hrsg.): ARS - Antibiotika-Resistenz-Surveillance (2016), (Abruf: 25.10.2017)

[7] Schwabe U, Paffrath D: Arzneiverordnungs-Report 2015. Aktuelle Daten, Kosten, Trends und Kommentare. Berlin: Springer; 2015

[8] Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: GERMAP 2015. Bericht über den Antibiotikaverbrauch und die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen in der Human- und Veterinärmedizin in Deutschland. Rheinbach; 2016

[11] Robert Koch-Institut: Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland für 2016. Berlin: RKI; 2017, (Abruf: 13.10.2017