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Häufige bakterielle und virale Infektionen bei Kindern

Eine Frau hält ein Kind auf dem Schoß, eine Ärztin gibt dem Kind eine Spritze in den Arm
Für viele Kinderkrankheiten existieren Schutzimpfungen (Bild: (c) AOK-Mediendienst)

Zu den häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern gehören unter anderem Mittelohrentzündung, Keuchhusten, Scharlach, Mumps, Masern oder Röteln sowie andere fiebrige Erkrankungen.

Die meisten Krankheiten bei Kindern werden durch Viren verursacht (zum Beispiel Mumps, Masern, Röteln, Windpocken). Antibiotika sind somit bei diesen Infektionen nicht wirksam. Jedoch existieren gerade für diese Kinderkrankheiten Schutzimpfungen [24].

Die akute Mittelohrentzündung (Otitis media)  gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Die Erkrankung wird als akut bezeichnet, weil die Entzündung schnell einsetzt, Schmerzen verursacht, jedoch auch schnell wieder abheilt. Mittelohrentzündungen werden in 60 % der Fälle durch Bakterien verursacht und zu 40 % durch Viren. Ein Antibiotikum ist nur dann gegen Mittelohrentzündungen wirksam, wenn diese durch Bakterien verursacht werden. Im Fall einer durch Viren bedingten Entzündung unterstützen Antibiotika den Heilungsprozess nicht [30].

Akute Mittelohrentzündungen entstehen oft in Folge von Erkältungskrankheiten. Oft ist die Erkältung bereits fast abgeklungen, dann beginnt das Kind erneut unter Appetitlosigkeit, Kopf- oder Bauchschmerzen zu leiden. Die starken Ohrenschmerzen treten häufig abends oder in der Nacht auf. Des Weiteren geht eine Mittelohrentzündung häufig mit Fieber einher [30].

Durch die Entzündungsreaktion im Ohr versucht der Körper, Krankheitserreger (Viren, Bakterien) zu bekämpfen. Dabei treten Rötungen, Schwellungen, Erwärmungen und Schmerzen im Ohr auf. Zudem kann es zu einem Ausfluss von angesammelter Flüssigkeit im Ohr kommen. Eine akute Mittelohrentzündung ist für das Kind schmerzhaft. Bei richtiger Behandlung heilt die Entzündung jedoch von selbst ab. Werden Symptome einer Mittelohrentzündung bemerkt, sollte am nächsten Werktag immer eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden [30].

Bei akuten, unkompliziert verlaufenen Mittelohrentzündungen ist eine Bekämpfung der Symptome (Ohrenschmerz, Fieber) sinnvoll. Hierbei werden oft Paracetamol-Zäpfchen verwendet. Ob die Gabe von Antibiotika sinnvoll ist, muss von der Ärztin oder dem Arzt entschieden werden. Wie bereits aufgeführt, werden 40 % der Mittelohrentzündungen durch Viren verursacht. Ein Antibiotikum ist hierbei wirkungslos. Durch wissenschaftliche Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Entwicklung von schwierigen Verläufen einer Mittelohrentzündung durch die Gabe von Antibiotika nicht vollständig verhindert werden kann. Kinder, die kein Antibiotikum einnehmen, haben genauso selten Komplikationen wie die Kinder, die mit einem Antibiotikum therapiert werden. Die Dauer der Erkrankung lässt sich durch ein Antibiotikum höchstens um einen Tag verkürzen. Jedoch kann die Einnahme von Antibiotika zu Übelkeit, Erbrechen, Hautausschlägen oder Durchfällen führen. Haben sich die Beschwerden nach 36 bis 48 Stunden nicht gebessert, muss das Kind (wieder) einer Ärztin oder einem Arzt vorgestellt werden [30].

Keuchhusten (Pertussis)  ist eine sehr häufige und sehr ansteckende Infektion der Atemwege. Keuchhusten wird durch Bakterien verursacht. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion (Einatmen von Tröpfchen durch Husten, Niesen, Sprechen). Die Zeit zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Beschwerden beträgt häufig 7 bis 10 Tage, kann jedoch auch bis zu 3 Wochen betragen. Die Infektion kann mehrere Wochen bis Monate bestehen und verläuft in drei Phasen. In der ersten Phase, die 1 bis 2 Wochen andauern kann, treten leichte Beschwerden wie Schnupfen, Husten und ein Schwächegefühl auf, Fieber ist eher selten. In der folgenden Phase, die meist 4 bis 6 Wochen andauert, treten trockene Hustenanfälle auf. Typisch ist dabei das krampfartige Husten, das mit einem "keuchenden Einziehen der Luft" abschließt. Die Hustenanfälle treten vermehrt nachts auf. Oft wird dabei das zähflüssige Sekret abgegeben und die erkrankte Person erbricht im Anschluss. Hinzu kommen Appetit- und Schlaflosigkeit. Auch in dieser Phase tritt Fieber nur selten auf. Bei erkrankten Neugeborenen und Kleinkindern kann es zu lebensgefährlichen Atemstillständen kommen. In der dritten Phase, die 6 bis 10 Wochen andauert, werden die Hustenanfälle seltener. In den folgenden Monaten können jedoch Reize wie kalte Luft, anstrengende körperliche Betätigungen und Zigarettenrauch zu Reizhusten führen. Die Ansteckungsfähigkeit besteht bereits vor dem Auftreten der ersten Beschwerden und bleibt bis zu 3 Wochen nach Beginn der Hustenanfälle erhalten [41].

Da es sich bei Keuchhusten um eine bakterielle Infektion handelt, kann die Einnahme eines Antibiotikums in der ersten Phase den Husten verhindern oder abmildern. Wird das Antibiotikum erst eingenommen, wenn die Hustenanfälle bereits begonnen haben, hat es keinen Einfluss mehr auf den individuellen Verlauf der Erkrankung, es verkürzt aber die Ansteckungsfähigkeit der Erkrankten und schränkt die weitere Verbreitung ein [41].

Gegen Keuchhusten empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Schutzimpfung für alle Altersklassen. Insbesondere Säuglinge sollten möglichst früh geimpft werden, da die Erkrankung für sie lebensgefährlich sein kann. Nach einer Erkrankung besteht für 7 bis 20 Jahre ein Schutz, nach einer Impfung  zwischen 3,5 und 12 Jahren [41].

Masern gehören zu den ansteckendsten viralen Infektionskrankheiten und werden durch Tröpfcheninfektion (Einatmen von Tröpfchen durch Husten, Niesen, Sprechen) übertragen. Die Infektion verläuft über zwei Phasen. Die erste Phase beginnt mit Fieber, einer Bindehautentzündung, Husten und Schnupfen sowie einem Ausschlag in der Mundschleimhaut. Diese werden Koplik-Flecken genannt. Dabei handelt es sich um weiße bis blau-weiße Flecken mit einem weißen Zentrum. In der zweite Phase (3. bis 7. Tag nach Auftreten der ersten Symptome) breiten sich bräunlich-rosafarbene Hautflecken im Gesicht und hinter den Ohren aus [25].

Masern werden durch Viren verursacht. Aus diesem Grund ist eine Therapie mit Antibiotika nicht sinnvoll. Gezielte Medikamente gegen Masern sind nicht verfügbar. Den erkrankten Kindern wird in der akuten Krankheitsphase Bettruhe verordnet. Fiebersenkende oder hustenstillende Medikamente können die Symptome lindern, [25].

Mit Hilfe von Schutzimpfungen sind Masern seltener geworden. Dennoch ist aufgrund der schwankenden Impfquote auch die Zahl von Masernfällen und regionalen Ausbrüchen schwankend. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Erstimpfung im Alter von 11-14 Monaten. Bis zum Ende des 2. Lebensjahres soll auch die zweite Impfung erfolgt sein, um den frühest möglichen Impfschutz zu erreichen. Die Impfung ist in der Regel eine Kombinationsimpfung, sodass durch die Impfung auch Mumps-, Röteln- und Windpocken-Infektionen vorgebeugt werden kann (MMRV-Impfstoff) [25, 26]. 

Mumps ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren übertragen wird. Die Erkrankung kann in allen Lebensaltern auftreten. Jedoch ist sie bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen am häufigsten. Mumps wird durch Tröpfcheninfektion und direkten Speichelkontakt übertragen. Indirekte Übertagungswege (zum Beispiel durch Gegenstände) sind selten. Die Erkrankung ist durch eine schmerzhafte einseitige oder beidseitige Schwellung der Ohrspeicheldrüsen gekennzeichnet. Diese besteht für drei bis acht Tage. Weitere Symptome können Fieber, Appetitsverlust oder Erkältungssymptome sein. Eine gezielte Therapie gegen Mumps gibt es nicht. Nur die begleitenden Symptome wie Fieber können mit fiebersenkenden Mitteln bekämpft werden. Bei kleinen Kindern heilt die Infektion meist folgenlos ab. In höherem Alter geht die Infektion oft mit Komplikationen wie Entzündungen der Hoden, der Brust oder Eierstöcke einher [29].

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung gegen Mumps im Alter von 11 bis 14 Monaten sowie eine zweite Impfung im Alter von 15 bis 23 Monaten [29].

Wie viele Infektionen, die hauptsächlich im Kindesalter auftreten, werden auch die Röteln durch ein Virus ausgelöst.
Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Das Leitsymptom einer Rötelninfektion ist ein kleinfleckiger Hautausschlag (Exanthem), welcher im Gesicht beginnt und sich über den Körper sowie Arme und Beine ausbreitet. Dieser Hautausschlag verschwindet nach ein bis drei Tagen wieder. Weiterhin können Symptome wie Lymphknotenschwellungen, Fieber, Bindehautentzündungen und Kopfschmerzen auftreten. Da Röteln bereits eine Woche vor dem Auftreten des charakteristischen Exanthems ansteckend sind, sind spezielle Hygienemaßnahmen nicht vorhanden. Ein Therapieplan bei Röteln existiert nicht. Begleitsymptome wie Fieber werden mit fiebersenkenden Mitteln behandelt.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung gegen Röteln zeitgleich mit der Mumpf- und Masernimpfung. Die zweite Rötelnimpfung wird spätesten zum Schuleintritt des Kindes empfohlen. Wird dies versäumt, kann eine Impfung bis zum 18. Lebensjahr nachgeholt werden. Bei Frauen im gebärfähigen Alter kann die Impfung  auch später nachgeholt werden, da eine Rötelninfektion in der Schwangerschaft fatale Folgen für das ungeborene Kind haben kann [28].

Scharlach gehört zu den häufigsten bakteriellen Infektionen bei Kindern und wird vor allem als Tröpfcheninfektion (Einatmen von Tröpfchen durch Husten, Niesen und Sprechen) übertragen, seltener durch Lebensmittel und Wasser. Besonders häufig betroffen sind Kinder im Alter von 6-12 Jahren, man kann jedoch auch in jedem anderen Alter erkranken. Die Zeit zwischen der Infektion und dem Auftreten der Symptome beträgt meist zwischen 1 und 3 Tagen [42]. Zu Beginn einer Scharlach-Erkrankung kommt es häufig zu Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Problemen beim Schlucken, Schüttelfrost sowie zu schnell steigendem Fieber.  Ebenso können Bauchschmerzen, Erbrechen und eine Schwellung der Lymphknoten im Halsbereich auftreten [43]. Typisch für eine Scharlach-Infektion sind Halsentzündungen und Hautausschläge. Der Hautausschlag beginnt meist am 1. oder 2. Erkrankungstag am Oberkörper und breitet sich von dort auf den gesamten Körper aus. Die Handinnenflächen und Fußsohlen sind nicht vom Ausschlag betroffen. Zusätzlich tritt eine Blässe rund um den Mund auf [42]. Die Zunge hat zunächst weiße Beläge, anschließend rötet sie sich (Himbeerzunge) und beginnt später, sich abzuschälen [42, 43]. Nach 6 bis 9 Tagen klingt der Hautausschlag ab. Wiederum einige Tage später beginnt die Haut, sich besonders an den Handinnenflächen und den Fußsohlen zu schälen [42].

Scharlach wird durch Bakterien, die sogenannten A-Streptokokken, hervorgerufen. Aus diesem Grund wird die Infektion mit Antibiotika behandelt. Bereits 24 Stunden nach der ersten Einnahme des Antibiotikums sind Erkrankte nicht mehr ansteckend. Wird hingegen kein Antibiotikum eingenommen, bleibt die Ansteckungsfähigkeit noch bis zu drei Wochen nach dem Auftreten der ersten Beschwerden erhalten. Diese Bakterien sind in der Lage, Giftstoffe zu bilden. Die Erkrankten sind nach überstandener Scharlach-Krankheit gegen die Giftstoffe (Toxine) des Bakteriums geschützt. Man kann jedoch mehrfach an Scharlach erkranken, da diese Bakterien verschiedene Toxine bilden können [43].

Die Infektion mit Windpocken (Varizellen)  erfolgt über Tröpfchen- oder Kontaktübertragung. Die Ansteckung ist unter bestimmten Umständen in einem Umkreis von mehreren Metern möglich. Das Hauptsymptom von Windpocken sind Bläschen auf der Haut. Die juckenden Bläschen entstehen zuerst am Körperstamm und im Gesicht und können sich über die Gliedmaßen ausbreiten. Außerdem tritt  Fieber auf. Die Infektion verläuft bei Kindern häufig unkompliziert und heilt oft von selbst wieder ab.

Da Windpocken durch Viren verursacht werden, sind Antibiotika hier wirkungslos. Häufig erfolgt eine symptomatische Behandlung durch Medikamente zur Fiebersenkung und zur Verminderung des Juckreizes.

Seit 2004 wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) eine Impfung gegen Windpocken empfohlen. Diese erfolgt häufig zeitgleich zur Mumps-, Masern, Röteln- Impfung [27].

[24] Robert Koch-Institut (Hrsg.): "Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2015" (2016), (Abruf: 25.10.2017)

[25] Robert Koch-Institut (Hrsg.): "Masern" (2014), (Abruf: 25.10.2017)

[26] Robert Koch-Institut (Hrsg.): "Nationales Referenzzentrum für Masern, Mumps, Röteln" (2014), (Abruf: 25.10.2017)

[27] Robert Koch-Institut (Hrsg.): "Windpocken, Herpes zoster (Gürtelrose)" (2016), (Abruf: 25.10.2017)

[28] Robert Koch-Institut (Hrsg.): "Röteln" (2013), (Abruf: 25.10.2017)

[29] Robert Koch-Institut (Hrsg.): "Mumps" (2013), (Abruf: 25.10.2017)

[30] Wissensnetzwerk evidence.de (Hrsg.): "Mittelohrentzündung" (2006), (Abruf: 25.10.2017)

[41] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): "Keuchhusten" (2016), (Abruf: 25.10.2017)

[42] Robert Koch-Institut (Hrsg.): "Streptococcus pyogenes-Infektion, RKI-Ratgeber für Ärzte" (2009), (Abruf: 25.10.2017)

[43] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): "Scharlach" (2016), (Abruf: 25.10.2017)