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Krankheitslast

Möglichst detailliertes Wissen über den Gesundheits- und Krankheitsstatus der Bevölkerung sowie einzelner Bevölkerungsgruppen bildet den Ausgangspunkt von Analysen mit dem Ziel, Bedarfe für die medizinische Versorgung oder Pflege sowie Gesundheitsschutz und Gesundheitsförderung zu erkennen. Handlungsleitend ist dabei insbesondere die Frage, welche Erkrankungen eine besonders hohe Krankheitslast in der Bevölkerung verursachen.

Hierzu werden unter anderem epidemiologische Maßzahlen herangezogen, die die Mortalität (z. B. Sterberate) sowie die Morbidität (z. B. Neuerkrankungsrate, Anzahl von chronisch Erkrankten) im Hinblick auf einzelne, spezifische Erkrankungen abbilden. Diese Maßzahlen können zum Teil der Gesundheitsberichterstattung oder Registern (z. B. Landeskrebsregister) entnommen werden. Zum Großteil müssen sie jedoch aus wissenschaftlichen Studien abgeleitet werden.

Zunehmend werden zunehmend sogenannte "Summenmaße" eingesetzt, die Daten über Morbidität und Mortalität miteinander kombinieren mit dem Ziel, die Krankheitslast oder gesundheitliche Lebensqualität einer Bevölkerung zu quantifizieren. Die Verfahren erlauben, die vermeidbare Krankheitslast oder gewonnen Lebensqualität zu prognostizieren, die durch geeignete und erfolgreiche Interventions- und Präventionsmaßnahmen erreichbar wäre.

Im Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen werden Krankheitslasten modelliert und Prognosemodelle entwickelt, die im Rahmen von Health Impact Assessments sowie unterstützend bei gesundheitspolitischen Entscheidungen herangezogen werden können.

Burden of Disease-Ansatz

Ein bekanntes Beispiel für die Modellierung von Krankheitslasten unter Nutzung eines Summenmaßes stellt der Burden of Disease-Ansatz (BoD) dar. Dieser wurde Anfang der 1990er Jahre von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen mit der Weltbank und der Harvard School of Public Health entwickelt, um den Beitrag verschiedener Erkrankungen auf die gesundheitliche Lage von Bevölkerungen in unterschiedlichen Staaten und Regionen miteinander vergleichen zu können.

Die Krankheitslast wird hierbei charakterisiert durch die Summe aus den verlorenen Lebensjahren durch vorzeitiges krankheitsbedingtes Versterben (YLL) und den Lebensjahren, die mit gesundheitlichen Einschränkungen durch eine Krankheit oder Behinderung verlebt wurden (YLD). Die Summe der vorzeitig verlorenen und gesundheitlich eingeschränkten Lebensjahre wird ausgedrückt in DALY (= disability adjusted life years). Dieses Summenmaß verknüpft damit sowohl Mortalität als auch Morbidität in einer Einheit.

Das Summenmaß DALY bietet schließlich Anhaltspunkte zur Abschätzung der vermeidbaren Krankheitslast. Bei dieser handelt es sich um denjenigen Anteil an Morbidität und Mortalität, der sich durch geeignete und erfolgreiche Maßnahmen verhindern ließe und somit in "gewonnenen gesunden Lebensjahren" münden könnte.

Risikofaktoren-geleiteter Burden of Disease-Ansatz

Bei diesem Ansatz handelt es sich um eine besondere Ausprägung der Burden of Disease (BoD)-Methodik der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Hierbei wird in einer Gesellschaft das Ausmaß der Krankheitslast, die einem lebensstil- oder umweltassoziierten Risikofaktor oder einer Gruppe von Risikofaktoren zugeschrieben werden kann, beurteilt (engl.: Environmental Burden of Disease (EBD)). Insofern kann dieser Ansatz Verwendung finden für die Schätzung der Krankheitslast durch Lärm oder Luftverunreinigungen ebenso wie durch Passivrauchen, Fehlernährung, Alkoholkonsum, geringe körperliche Aktivität, langes Sitzen oder Adipositas. Der Risikofaktoren-geleitete Burden of Disease-Ansatz soll insbesondere die vergleichende Beurteilung unterschiedlicher Risikofaktoren ermöglichen.