Dr. Anna Reeske-Behrens
Leiterin der Fachgruppe Gesundes Aufwachsen, Leben und Altwerden, Präventionsstrategie
Telefon: 0234 41692-3300

Wir sprechen mit den Akteurinnen und Akteuren der Landesinitiative Gesundheitsförderung und Prävention (LGP) und mit Fachkräften, die sich in den Themenfeldern der LGP engagieren. Sie gewähren uns einen Blick hinter die Kulissen ihrer Aktivitäten: Wie ist der aktuelle Stand der im Rahmen der verschiedenen Arbeitsgruppen entstandenen Maßnahmen? Wie engagieren sich Fachkräfte in Nordrhein-Westfalen, die zum weiteren Kreis des LGP-Netzwerkes gehören? Welche vorbildlichen Angebote und Maßnahmen gibt es in den Handlungsfeldern der LGP in Nordrhein-Westfalen?
Im Gespräch mit Alina Waßerfuhr erhalten Sie einen Einblick in die bisherigen Erfahrungen bei der Umsetzung des Eltern-Programms "Schatzsuche" zur Förderung von Resilienz bei Kindern.
Das Eltern-Programm "Schatzsuche" zielt auf die Resilienzförderung von Kindern im Alter von null bis sechs Jahren. Eltern werden als Expertinnen und Experten für ihre Kinder gestärkt. "Schatzsuche" stellt im Themenfeld Resilienz eine Kernmaßnahme der Arbeitsgruppe "Gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen" der LGP dar. Das Eltern-Programm ist in Nordrhein-Westfalen (NRW) in das kommunale Rahmenprogramm "Stärkende Lebenswelten für die seelische Gesundheit von Kindern" eingebettet. Sieben Kreise und kreisfreie Städte machen sich als Programmkommunen für das Thema "Seelische Gesundheit von Kindern" stark.
Wir möchten erfahren: Wie ist der aktuelle Umsetzungsstand?
Alina Waßerfuhr ist Mitarbeiterin des Landesamtes für Gesundheit und Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Celine Habig übernimmt sie die Landeskoordination NRW des Eltern-Programms "Schatzsuche" und des kommunalen Rahmenprogramms.
Hinweis: Sie finden zu jeder Frage eine kurze verschriftlichte Antwort. In der darunter stehenden Tonspur können Sie sich die ausführliche Antwort von Alina Waßerfuhr anhören. Unten unter "Downloads" steht ein barrierefreies Transkript des Interviews zur Verfügung.
Aus unserer Sicht ist es wichtig, die Kommunen in ihrer Rolle und ihrer Verantwortlichkeit für die seelische Gesundheit von Kindern und ihren Familien zu stärken. Denn es braucht auf übergeordneter, sprich auf kommunaler Ebene, Ansätze, Strategien und entsprechende Maßnahmen, um das Thema "Seelische Gesundheit von Kindern" langfristig in der Kommune und den verschiedenen Lebenswelten, die die Kommune beherbergt, zu verankern.
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Zunächst hat jede der sieben Pilotkommunen eine feste sogenannte "Programmkoordination" benannt, die sich federführend um die Programme kümmert und somit sozusagen Motor und auch primäre Ansprechperson für die beteiligten Akteurinnen und Akteure vor Ort - und ganz wesentlich: die teilnehmenden Kitas und Familienzentren - ist.
Rund um die Programmkoordination hat zudem jede Kommune einen Steuerungskreis mit multiprofessionellen Akteurinnen und Akteuren unter Beteiligung vor allem der Gesundheits- und Jugendämter gebildet. Mit dabei sind vor allem Vertreterinnen und Vertreter aus der kommunalen Gesundheitskonferenz, der Gesundheitsplanung, des Kinder- und Jugendärztlichen Gesundheitsdienstes sowie von Seiten der Jugendämter meist die Kita-Fachberatungen.
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Über allem steht hier natürlich, dass zwei Fachbereiche, denen beiden eine ganz besondere Verantwortung für die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen, aber auch für das Thema "Seelische Gesundheit", obliegt, zusammengebracht und damit auch fachliche Ressourcen und Kompetenzen gebündelt werden. Die Zusammenarbeit verschiedener Kompetenzen ermöglicht somit natürlich auch die Entwicklung passgenauer Maßnahmen und Angebote, mit Blick auf die Bedarfe und Bedürfnisse der Zielgruppe. Im kommunalen Rahmenprogramm "Stärkende Lebenswelten für die seelische Gesundheit von Kindern" haben wir zudem die Erfahrung gemacht, dass die Kooperation von Gesundheits- und Jugendämtern ein sozusagen "Hand-in-Hand-Arbeiten" ermöglicht und schneller zum Erfolg führt.
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Zentrale, aktuelle Problemlagen, wie der allgegenwärtige Fachkräftemangel, sind in den Einrichtungen sehr präsent und herausfordernd, das ist nicht zu leugnen. Dennoch ist das Interesse am Thema "Seelisches Wohlbefinden und Resilienz von Kindern" sowie der Bedarf geeigneter Maßnahmen zur Förderung so groß wie nie - nicht zuletzt durch die derzeit herausfordernden Zeiten. So wurden in einzelnen Kommunen sogar Warte- beziehungsweise Nachrückerlisten für die Teilnahme an der "Schatzsuche" geführt. Die Einrichtungen haben ihr bestmöglichstes versucht, ihren Fachkräften die Teilnahme an der Weiterbildung zu ermöglichen und ihnen die zeitlichen Ressourcen für die Umsetzung der Eltern-Treffen in der Einrichtung einzurichten.
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Wir haben wahrgenommen, dass sich alle Fachkräfte auf die nun anstehende Umsetzung der Eltern-Treffen in den Einrichtungen freuen und hier insbesondere auf mehreren Ebenen Chancen sehen und sich positive Effekte erhoffen: Vor allem sehen die Fachkräfte eine große Chance für die Zusammenarbeit mit den Eltern, insofern, dass die vertrauensvolle Beziehung zwischen Fachkräften und Eltern gestärkt wird und somit auf gewisse Art und Weise auch eine engere Beziehung zwischen den Fachkräften und Eltern entsteht. Auch zwischen den Eltern sollen neue Kontakte entstehen beziehungsweise Beziehungen intensiviert werden, indem Eltern sich öffnen, über persönliche Themen ins Gespräch kommen und vor allem - das ist ganz zentral - erfahren, dass auch andere Eltern im Alltag ganz ähnliche positive sowie herausfordernde Situationen mit den Kindern durchleben wie sie selbst.
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... zum einen mehr Aufmerksamkeit für wichtige Themen wie die seelische Gesundheit und die damit verbundene Hoffnung, einer zunehmenden Enttabuisierung des Themas innerhalb der Gesellschaft. Bezogen auf die "Schatzsuche" war die Landesinitiative auch Wegbereiter, das Programm in Nordrhein-Westfalen zu etablieren. Denn die Umsetzung von "Schatzsuche" erfolgt eingebettet in die Initiative, als Maßnahme mit Blick auf aktuelle Bedarfe und ist eine der Kernaktivitäten der Arbeitsgruppe "Gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen".
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Im Gespräch mit Michaela Gerritzen erhalten Sie einen Einblick, wie Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern durch das nordrhein-westfälische Landesprogramm "Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern stärken" (KIPS Prävention NRW) unterstützt werden.
Mit dem nordrhein-westfälischen Landesprogramm "Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern stärken" (KIPS Prävention NRW) werden Kinder und Jugendliche unterstützt, die mit psychisch kranken oder suchtkranken Eltern aufwachsen. Durch die Förderung von Versorgungstrukturen und qualifizierten Angeboten werden die Bedürfnisse der betroffenen Kinder und Jugendlichen ganzheitlich adressiert. Ziel ist es, belasteten Familienstrukturen Unterstützung zu bieten und die betroffenen Kinder und Jugendliche auf ihrem Lebensweg zu begleiten.
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Michaela Gerritzen leitet zusammen mit ihrer Kollegin Felia Ricke die Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW. Zudem koordiniert Sie das Landesprogramm "KIPS Prävention NRW".
Hinweis: Sie finden zu jeder Frage eine kurze verschriftlichte Antwort. In der darunter stehenden Tonspur können Sie sich die ausführliche Antwort von Michaela Gerritzen anhören. Unten unter "Downloads" steht ein barrierefreies Transkript des Interviews zur Verfügung.
Die Kommunen spielen im Landesprogramm eine zentrale Rolle, da sie Akteurinnen und Akteure miteinander mit dem Ziel vernetzen, gemeinsam für die Zielgruppe zu handeln. Sie unterstützen ein abgestimmtes Handeln in den Kommunen und tragen maßgeblich zur Finanzierung von Regelangeboten und Maßnahmen bei. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren wie Jugendämtern, Gesundheitsämtern oder Sozialdiensten können Kommunen gezielt zur Prävention beitragen. Gerade für Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern ist es wichtig, den betroffenen Kindern und Jugendlichen ein sicheres Umfeld zu bieten und Raum für den Austausch mit Gleichgesinnten zu ermöglichen.
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Verbindliche Kooperationsvereinbarungen zwischen öffentlichen und freien Trägern fördern eine abgestimmte Zusammenarbeit sowie eine gemeinsame Sprache und Haltung. Solche Partnerschaften helfen, langfristige, effiziente und nachhaltige Lösungen für die Zielgruppe zu etablieren. Der Mehrwert liegt darin, dass die Partnerschaften zu schnelleren und zielgerichteten Ergebnissen führen.
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Mit allen Beteiligten den Weg, den man gemeinsam geht, schriftlich fixiert zu haben, untermauert die tatsächliche Kooperation, die die Partnerinnen und Partner gemeinsam eingehen und geht über die Vernetzung hinaus. Oft sind Kooperationen zwar mit längeren Abstimmungsprozessen verbunden. Aber diese können zu einer höheren Motivation führen, da gemeinsam festgelegt wird, wie mit und für die Zielgruppen gearbeitet werden soll. Das wiederum unterstützt die Zielerreichung. Wichtig ist, dass Vereinbarungen nicht nur pro forma getroffen, sondern auch eingehalten werden.
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Die Projekte werden seit dreieinhalb Jahren hauptsächlich von mir, gemeinsam mit zwei Kolleginnen, betreut. Gerade am Anfang gab es viele Fragen zum Fördermittelmanagement, so dass eine enge Begleitung sehr hilfreich war. Darüber hinaus habe ich die Projekte besucht oder stand mit ihnen per E-Mail, Zoom und Telefon in Kontakt. Außerdem laden wir regelmäßig zu Vernetzungstreffen ein. Bei diesen Treffen sprechen wir über wichtige Themen rund um das Landesprogramm, aber auch über Themen wie nachhaltige Finanzierung. Zudem bieten wir fachliche Inputs zum Beispiel zum Thema Resilienzstärkung an. Besonders hervorzuheben ist unsere Internetplattform „BELLADONNAsocial“ der Landesfachstelle. Dort gibt es neben vielen Fachinformationen auch eine „KIPS Prävention NRW Gruppe“, die den Fachkräften die Möglichkeit bietet, sich auszutauschen und zu informieren.
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Es ist wichtig, dass die beteiligten Systeme wie beispielsweise Suchthilfe, Jugendamt oder Gesundheitsamt miteinander kommunizieren und einander kennenlernen. Häufig bestehen Unklarheiten hinsichtlich der jeweiligen Ziele und Aufgaben in Bezug auf Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass alle Beteiligten eine gemeinsame Sprache und eine gemeinsame Haltung entwickeln. Dies kann beispielsweise durch die Organisation von Fachtagen erreicht werden, bei denen ein gemeinsames Ziel erarbeitet wird. Es ist wichtig, dass die relevanten Entscheidungsträger in einer Kommune, die über die notwendigen Informationen verfügen und die Bedarfe in der Kommune kennen, einbezogen werden, um die Entscheidungsfindung zu erleichtern.
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… für mich eine wichtige gemeinsame Initiative verschiedener gemeinsamer Akteurinnen und Akteure, die sich miteinander vernetzen und sich durch ihre gebündelten Aktivitäten wesentlich für die Förderung von Präventionsmaßnahmen in NRW einsetzen und so letztendlich auch Kindern aus Familien mit Suchtbelastung und psychischen Erkrankungen eine Stimme geben.
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Im Gespräch mit Ute Zimmermann erhalten Sie einen Einblick, wie die neue Landesfachstelle Alleinerziehende NRW die Fachkräfte der kommunalen Ebene unterstützen kann, damit die Bedarfe und Interessen von Einelternfamilien in der Beratung noch stärker berücksichtigt werden können.
Alleinerziehende sind eine von drei Zielgruppen, welche die Arbeitsgruppe "Mittlere Lebensphase" der LGP im Schwerpunkt "Seelische Gesundheit" besonders in den Blick genommen hat. Denn die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung stellt eine Herausforderung und immense psychosoziale Belastung für die Gruppe der Alleinerziehenden dar. Gesundheitliche Beeinträchtigungen können die Folge sein. Um diese zu verhindern, braucht es geeignete Unterstützungsstrukturen.
Seit dem 1. Mai 2023 gibt es die Landesfachstelle für Alleinerziehende in NRW, die vom zuständigen Fachressort der Landesregierung gefördert wird. Träger der Landesfachstelle Alleinerziehende ist der Verband allein erziehender Mütter und Väter Landesverband NRW (VAMV NRW). Die Landesfachstelle Alleinerziehende ist eine Anlaufstelle für Beratende aus NRW, die unmittelbar mit Alleinerziehenden zusammenarbeiten. Sie stellt diesen Informationen, Schulungen und Möglichkeiten zur Vernetzung zur Verfügung.
Ziel der Landesfachstelle Alleinerziehende ist es, Beratende dabei zu unterstützen, Alleinerziehende sicher beraten zu können.
Neben kurzen, kostenfreien Online-Schulungen mit Experteninput, welche sich an die Beratenden richten, stellt die Landesfachstelle Alleinerziehende Fachkräften eine Materialsammlung mit Broschüren und Materialien auf der Webseite bereit.
In den Schulungen wird u. a. Fachwissen zu Rechts- und Leistungsthemen, über die Infrastruktur vor Ort (Alleinerziehenden-Lotse) sowie über spezielle Zielgruppen (Migration/Flucht) und Themen wie Hochstrittigkeit (langanhaltende und neue Konflikte zwischen den Eltern) vermittelt.
Ute Zimmermann ist Projektentwicklerin und Pressereferentin beim Verband alleinerziehender Mütter und Väter Landesverband NRW (VAMV NRW).
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Das Besondere an der Landesfachstelle ist, dass sie sich an die Fachkräfte und sozialen Träger richtet, die mit Alleinerziehenden arbeiten oder diese beraten. Sie sollen mit den Angeboten der Landesfachstelle erreicht werden, um sie zu unterstützen und zu stärken. Ziel ist es, die Fachkräfte in die Lage zu versetzen, besser und sicherer zu beraten. Expertinnen und Experten wie Sozialberatende oder Rechtsanwälte führen 60- bis 90-minütige kostenfreie digitale Schulungen durch und informieren die Fachkräfte zu Themen wie Sozialrecht, Konfliktmanagement oder Kommunikation in der Beratung. Dieses Wissen kann dann direkt in der Beratung angewendet werden.
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An die Landesfachstelle wenden sich die Fachkräfte oder sozialen Träger, die Alleinerziehende beraten. Fragestellungen zu den Themen Unterhalt, Wohngeld, Kindergeld, Kinderzuschlag oder Umgang mit Trennung werden in den Online-Schulungen thematisiert.
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Es wurde überlegt, Fortbildungen in Präsenz anzubieten. Aber da sie sehr zeitintensiv sind und Beratende wenig Zeit haben, bleibt es auch in Zukunft bei dem Konzept der kurzen und kostenfreien Online-Schulungen. Es wird auf aktuelle Themen eingegangen, wie zum Beispiel das Thema des Kinderzuschlags.
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Die Alleinerziehenden profitieren von der Stärkung der Beratenden durch Online-Schulungen, die die Qualität der Beratungen verbessern helfen und für die Alleinerziehenden in ihrer besonderen Lebenssituation sensibilisieren.
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Aktuell unterliegt die Landesfachstelle für Alleinerziehende einer Projektförderung. Es wird eine institutionelle Förderung angestrebt, hier bedarf es allerdings einiger Aushandlungsprozesse. Die Landesgeschäftsstelle steht im engen Austausch mit der Politik und verweist auf die hohe Relevanz der Landesfachstelle, was sich u. a. durch eine hohe Teilnehmerquote bei den Online-Schulungen zeigt. Die Landesfachstelle kann eine Beratungslücke schließen, da es keine Instanz gibt, an die sich Beratende mit ihren Fragen wenden können.
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