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Entwicklung der Sterblichkeit und der häufigsten Todesursachen

Im Jahr 2015 sind in Nordrhein-Westfalen 204.352 Menschen verstorben, davon 105.471 Frauen und 98.881 Männer. Der seit einigen Jahren zu beobachtende Anstieg der Sterblichkeitszahlen ist auf die kontinuierliche Zunahme der Anzahl älterer Menschen in der Bevölkerung zurückzuführen. Bei unveränderter Altersstruktur wäre die Sterblichkeit gesunken (sogenannte altersbereinigte Sterblichkeit). Das durchschnittliche Alter, in dem die Menschen versterben, liegt in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2015 mit 77,7 Jahren um 1,8 Jahre höher als im Jahr 2006. Bei Frauen ist das durchschnittliche Sterbealter im Zeitraum von 2006 bis 2015 von 79,6 auf 80,6 Jahre (plus 1,0 Jahre) angestiegen, bei Männern von niedrigerem Ausgangsniveau deutlich stärker von 71,8 auf 74,6 Jahre (plus 2,8 Jahre).

Gesundheitsindikator 3.1: Sterbefälle nach Geschlecht, NRW, Trend

Die häufigsten Todesursachen verschieben sich mit zunehmendem Alter deutlich: Während in jüngeren Jahren - vor allem bei den Männern - der prozentuale Anteil von Unfällen als Todesursache überwiegt, gewinnen im mittleren Alter Krebserkrankungen und im höheren Alter Herz-Kreislauf-Erkrankungen an Gewicht. Krebserkrankungen haben im mittleren Alter bei den Frauen einen bedeutend höheren prozentualen Anteil an den Todesursachen als bei den Männern (siehe Abbildungen 1 und 2). Männer versterben auch schon im mittleren Lebensalter häufiger als Frauen an Herz-Kreislauf-Krankheiten. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass sich derzeit zwei Drittel aller Todesfälle in der Altersgruppe 75 Jahre und älter ereignen.

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Abbildung 1: Anteil der häufigsten Todesursachen (ICD-10 Kodierung) nach Alter bei Frauen, Nordrhein-Westfalen, 2015. IT.NRW, LZG.NRW
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Abbildung 2: Anteil der häufigsten Todesursachen (ICD-10 Kodierung) nach Alter bei Männern, Nordrhein-Westfalen, 2015. IT.NRW, LZG.NRW

Gesundheitsindikator 3.8: Häufigste Todesursachen, Alter, Geschlecht, NRW

Ein Blick auf die verschiedenen Einzeldiagnosen zeigt, dass bei beiden Geschlechtern 40 % aller Todesfälle auf zehn Todesursachen zurückzuführen sind (siehe Abbildung 3). Diese Todesursachen stammen fast ausschließlich aus den zwei Bereichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ischämische Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Schlaganfälle) sowie Krebserkrankungen (Lungen-, Brust-, Darm- oder Prostatakrebs). Bezogen auf die absoluten Fallzahlen zeigt sich die "Nicht näher bezeichnete Demenz" (ICD-10 F03) bei den Frauen als vierthäufigste Todesursache in der Todesursachenstatistik.

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Abbildung 3: Rangliste der zehn häufigsten Todesursachen (ICD-10 Kodierung), nach Geschlecht, Nordrhein-Westfalen, 2015. IT.NRW, LZG.NRW

Bemerkenswert ist, dass die drei durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedingten Todesursachen Herzinfarkt, Chronische ischämische Herzkrankheit und Schlaganfall bei Frauen wie Männern eine deutlich rückläufige Tendenz aufweisen. Die altersbereinigten Sterberaten haben sich von 2006 bis 2015 nahezu halbiert (Reduktion je nach Diagnose zwischen 30 und 57 %).

Stattdessen schieben sich andere Todesursachen in den Vordergrund; besonders auffällig ist die bereits erwähnte Entwicklung der Demenz als Todesursache. Die Sterberaten liegen nach Altersbereinigung für beide Geschlechter im Jahr 2015 fast dreimal so hoch wie im Jahr 2006. Diese sprunghafte Zunahme innerhalb von 10 Jahren beruht wahrscheinlich nur zu einem geringen Teil auf einer realen Zunahme der demenzbedingten Sterbefälle (zumal die dem demografischen Wandel geschuldete Zunahme altersbedingter Krankheiten durch die Altersbereinigung der Sterberaten sozusagen herausgerechnet wird). Es ist vielmehr davon auszugehen, dass sich das Kodierverhalten der Ärztinnen und Ärzte bei der Ausstellung des Totenscheins sowie das anschließende Verschlüsseln in den Statistischen Landesämtern in den letzten Jahren gewandelt haben. Grundlegendes Prinzip der sogenannten monokausalen Todesursachenverschlüsselung ist, dass in der Regel nicht die unmittelbare Ursache (zum Beispiel das Multiorganversagen) und deren Auslöser (etwa eine Lungenentzündung oder Mangelernährung) als Todesursache erfasst werden sollen, sondern das Grundleiden, welches die genannten Komplikationen ausgelöst hat. Diesem Prinzip wird seit einigen Jahren offenbar vermehrt Rechnung getragen.

Eine aktuelle Langzeitstudie in den USA hat ergeben, dass bei korrekter Erfassung der Todesursache Alzheimer-Krankheit die Zahl der durch diese Krankheit bedingten Sterbefälle 5 bis 6 mal höher ausfallen würde, mit dem Ergebnis, dass  die Alzheimer-Krankheit nach Herzkrankheiten und Krebs die dritthäufigste Todesursache in den USA bilden würde [James et al. 2014].

Hervorzuheben sind ebenfalls die beiden Todesursachen, die in erster Linie auf das Rauchen zurückzuführen sind, nämlich Lungenkrebs (ICD-10: C34) und Chronische obstruktive Lungenkrankheit (COPD, ICD-10: J44). Bei den Männern stehen diese Diagnosen an erster und fünfter Stelle und erreichen zusammen einen Anteil von 11,3 % aller Todesfälle (11.156 Verstorbene). Allerdings ist die Todesursache Lungenkrebs bei den Männern seit Jahren rückläufig (Abnahme der altersbereinigten Sterberate um mehr als 15 % zwischen 2006 und 2015).

Bei den Frauen stellt sich dies ganz anders dar. Entgegen dem allgemeinen Trend nehmen die Sterberaten der Frauen in Bezug auf Lungenkrebs und COPD in den letzten zehn Jahren deutlich zu. Wir sehen hier die Auswirkungen einer Entwicklung, die durch die kontinuierlich steigende Zahl von rauchenden Frauen seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gekennzeichnet ist. Die Zahl der an Lungenkrebs und COPD verstorbenen Frauen ist seit 2006 um 35 % von 5.824 auf 7.857 angestiegen (Anstieg der altersbereinigten Sterberate wegen Lungenkrebs 22 %, wegen COPD 30 %). Zusammen haben diese beiden mit dem Rauchen assoziierten Todesursachen einen Anteil von 7,4 % an allen Sterbefällen, knapp hinter der häufigsten Todesursache Herzinsuffizienz. Die Sterbefälle der Frauen wegen Lungenkrebs liegen 2015 mit 4.375 Fällen bereits erkennbar höher als die Sterbefälle wegen Brustkrebs (4.093 Fälle). Brustkrebs war bis einschließlich 2013 die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen. In der Altersgruppe der unter 80-jährigen Frauen steht Lungenkrebs bereits mit deutlichem Abstand vor dem Brustkrebs auf Platz 1 aller Todesursachen.

Gesundheitsindikator 3.2: Sterbefälle, Hauptdiagnosegruppen, Geschlecht, NRW

Fortschreibung des Bevölkerungsstandes. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW).

Statistik der Sterbefälle. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW).

Todesursachenstatistik. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW).

James BD, Leurgans SE, Hebert LE, et al.: Contribution of Alzheimer disease to mortality in the United States. Neurology. 82 (2014), Nr. 12, S. 1045-1050.