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Schwerpunkt Seelische Gesundheit (2020-2024)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert seelische Gesundheit als einen "Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und einen Beitrag zu ihrer Gemeinschaft leisten kann"[1]. Diese Definition macht deutlich, dass seelische Gesundheit eine wichtige Quelle von Humankapital und Wohlbefinden in der Gesellschaft darstellt. Bedeutsam ist es deshalb, nicht nur die Bedürfnisse von Menschen mit psychischen Erkrankungen in den Blick zu nehmen, sondern ebenso die Förderung des seelischen Wohlbefindens aller Menschen zu unterstützen[1]. Es gibt viele Potenziale zur Förderung der seelischen Gesundheit, insbesondere in den Lebenswelten, in denen sich die Menschen täglich bewegen (Quartiere, Kitas, Schulen, Arbeitsplatz und viele mehr). Die Kommune nimmt hierbei als Dachsetting eine besondere Rolle ein, da sich hier alle Lebenswelten vereinen.

Die Daten der Gesundheitsberichterstattung in Deutschland zeigten zum Start des Schwerpunktthemas, dass es einen großen Handlungsbedarf im Bereich der Förderung seelischer Gesundheit gibt – über alle Lebensphasen und -lagen hinweg:

  • Etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren in Deutschland hatten ein erhöhtes Risiko, psychische Auffälligkeiten zu entwickeln: Jungen signifikant häufiger als Mädchen, Kinder und Jugendliche aus einem Elternhaus mit niedrigem sozialem Status häufiger als aus einem mit höherem sozialen Status.[2]
  • Knapp 30 % der Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren litten bundesweit in den jeweils letzten 12 Monaten unter einer psychischen Störung (ohne Nikotinabhängigkeit); Depression, Angststörung, somatoforme Störungen und Suchterkrankungen (vor allem Alkoholsucht) sind die am häufigsten auftretenden Formen.[3] Lässt man vorübergehende Beschwerden wie Atemwegsinfekte und unspezifische Bauchschmerzen unberücksichtigt, lag die Depressive Episode an sechster Stelle aller ambulanten Behandlungsdiagnosen in Nordrhein-Westfalen. Betroffen waren über 1,2 Millionen Frauen und rund 627.000 Männer.[4]
  • In der Arbeitswelt führten psychische Störungen 2017 zu über 18 % der Arbeitsunfähigkeitstage. Zwischen 2008 und 2017 ist der Anteil von Frühberentungen wegen psychischer Erkrankungen an allen Frühberentungen von 38 % auf 45 % angestiegen; bei den Frauen ist mittlerweile die Hälfte (50 %) aller Fälle auf diese Krankheitsgruppe zurückzuführen.[4]
  • Für die älteren Menschen ging die LGK-Entschließung 2018 davon aus, dass gut zehn Prozent der älteren Menschen an einer Demenz erkrankt waren sowie 20 Prozent an einer weiteren psychischen Erkrankung litten. Auffällig war auch die hohe Suizidrate im Rentenalter, vor allem bei Männern. 2017 waren 36 % aller Männer und 37 % aller Frauen, die in NRW durch Suizid starben, 65 Jahre und älter, während der Bevölkerungsanteil dieser Gruppe nur bei 18 % und 23 % lag.[4]
  • Weiterer Handlungsbedarf besteht auch bei den zugewanderten Menschen. Traumatische Erfahrungen vor, während und nach der Flucht sind Risikofaktoren, die die Entstehung psychischer Erkrankungen begünstigen. Die Rate der posttraumatischen Belastungsstörungen war daher bei Flüchtlingen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung um das Zehnfache erhöht.[5]
  • Schließlich bietet das Thema "Seelische Gesundheit" über die Lebensphasen hinweg auch wichtige Querbezüge zu körperlichen Gesundheitsrisiken. So wurden Zusammenhänge zwischen Depressionen und Herzkreislauferkrankungen, Diabetes sowie Adipositas festgestellt. Ausgewogene Ernährung und Bewegung spielen entsprechend auch für die seelische Gesundheit eine große Rolle. Umgekehrt kann eine stabile seelische Gesundheit gesundes Ernährungs-, Bewegungs- und Schlafverhalten fördern.[1]

Durch die Corona-Pandemie haben sich die Bedarfslagen im Bereich Seelische Gesundheit noch weiter verdichtet.

Aus den genannten Gründen hat die Landesinitiative Gesundheitsförderung und Prävention in den Jahren 2020 bis 2024 den Schwerpunkt „Seelische Gesundheit“ fokussiert. Die Lenkungsgruppe hat drei lebensphasenbezogene Arbeitsgruppen gegründet, um gemeinsam an dem Schwerpunktthema zu arbeiten. Zudem wurde eine Querschnittsinitiative zum Thema Seelische Gesundheit und Stadtentwicklung eingerichtet. Die Arbeitsgruppen haben im großen Spektrum der seelischen Gesundheit für die jeweilige Lebensphase eigene Themenschwerpunkte gesetzt, sich vernetzt und Ziele formuliert sowie entsprechende Maßnahmen angestoßen. Die Ergebnisse können Sie auf den jeweiligen Unterseiten der Arbeitsgruppen nachlesen.

Arbeitsgruppe "Gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen"

Arbeitsgruppe "Mittlere Lebensphase"

Arbeitsgruppe "Alter"

Querschnittsinitiative Seelische Gesundheit und Stadtentwicklung

Der Themenschwerpunkt Seelische Gesundheit wurde von der Landesinitiative Gesundheitsförderung und Prävention Nordrhein-Westfalen 2024 mit einer resümierenden Veranstaltung abgeschlossen. Das sehr wichtige Thema bleibt jedoch weiterhin ein Handlungsfeld der Gesundheitsförderung und Prävention in Nordrhein-Westfalen und wird an vielen Stellen weiter befördert.

[1] Weltgesundheitsorganisation (WHO) (Hrsg.): Psychische Gesundheit- Faktenblatt. 2019, S. 1.

[2] Robert Koch-Institut (RKI) (Hrsg.): Psychische Auffälligkeiten. Faktenblatt zu KIGGS Welle 1: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland- Erste Folgebefragung 2009-2012. 2014.

[3] RKI (Hrsg): Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gemeinsam getragen von RKI und Destatis. Berlin: RKI 2015.

[4] Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (MGEPA NRW) (Hrsg.): Landesgesundheitsbericht 2015 - Informationen zur Entwicklung von Gesundheit und Krankheit in Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf: 2016.

[5] Petra Bühring: Traumatisierte Flüchtlinge und Asylbewerber: Hilfe für Opfer von Kriegsgewalt. Deutsches Ärzteblatt: 112 (2015), Nr. 14.