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Pseudomonas aeruginosa

1. Epidemiologie

P. aeruginosa ist ein häufiger Erreger nosokomialer Infektionen. Laut Daten des National Nosocomial Infections Surveillance System (NNIS) war P. aeruginosa zwischen 1986 und 2003 der zweithäufigste Erreger nosokomialer Pneumonien, der dritthäufigste Erreger von Harnwegsinfektionen und lag an achter Stelle der Erreger der Sepsis.

In Europa nahm die Inzidenz der Bakteriämien durch P. aeruginosa zwischen 1997 und 2002 leicht zu (von 5,5 % auf 6,8 %). Laut dem European Antimicrobial Resistance Surveillance Network (EARS-Net) waren im Jahr 2006 18 % der P.  aeruginosa-Isolate multiresistent, das heißt resistent gegenüber mindestens drei der Antibiotika aus den getesteten Wirkstoffen beziehungsweise den Substanzklassen Piperacillin, Ceftazidim, Fluorchinolon, Aminoglycoside und Carbapeneme. Im Jahr 2009 waren 16 % der Isolate multiresistent, wobei Deutschland zu den 4 Ländern mit signifikantem Rückgang der Multiresistenz gehörte. Der Anteil multiresistenter Isolate lag in Deutschland bei 7,4 % (European Centre for Disease Prevention and Control, 2010).

Die Epidemiologie von P. aeruginosa ist komplex und nicht vollständig verstanden. Die Ausbreitung multiresistenter Stämme im Krankenhaus wurde beschrieben und ist wahrscheinlich durch einen hohen Selektionsdruck begünstigt.

Literaturnachweis:
European Centre for Disease Prevention and Control (Hrsg.): Antimicrobial resistance surveillance in Europe 2009. Annual Report of the European Antimicrobial Resistance Surveillance Network (EARS-Net). Stockholm: 2010, unter  http://www.ecdc.europa.eu/en/publications/Publications/1011_SUR_annual_EARS_Net_2009.pdf (Abruf: 08.09.2011)

2. Risikofaktoren

Ein erhöhtes Risiko für eine Pseudomonas-bedingte Sepsis besteht bei:

  • Seniorinnen und Senioren,
  • Hämodialyse-Patientinnen und -Patienten,
  • Organtransplantierten,
  • Patientinnen und Patienten mit Malignomen,
  • Herzkranken,
  • HIV-Infizierten,
  • Diabetikerinnen und Diabetikern,
  • COPD-Patientinnen und -Patienten,
  • Aufenthalt auf Intensivstationen.

3. Übertragung/Infektionsweg

Für Pseudomonaden stellen sowohl die endogene Infektion als auch die Übertragung von Person zu Person und Umgebungsreservoire bedeutsame Infektionswege dar.

4. Präventionsmaßnahmen: Isolierung

Isolierungsmaßnahmen bei Patientinnen und Patienten mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen sind grundsätzlich sinnvoll in Abhängigkeit von den stationären Risikobereichen und werden als Einzelzimmer- beziehungsweise Kohortenisolierung durchgeführt.

  • Patientinnen und Patienten mit Besiedlung oder Infektion durch 3MRGN P. aeruginosa sind in Risikobereichen, Patientinnen und Patienten mit Besiedlung oder Infektion durch 4MRGN P. aeruginosa sind in allen Krankenhausbereichen zu isolieren.
  • Risikobereiche sind nach individueller Risikoabwägung, z. B. auf Basis des Patientengutes und baulich-struktureller Gegebenheiten, festzulegen, wobei Intensivstationen, inklusive der Neonatologie und hämatologisch-onkologische Stationen, als Bereiche mit besonders gefährdeten Patientengruppen gelten.
  • Es ist eine offene Frage, ob in der endemischen Situation Patientinnen und Patienten, die Aufgrund des Verdachtes der Besiedlung, einer nachgewiesenen Besiedlung oder Infektion mit 4MRGN P. aeruginosa isoliert werden, durch speziell zugeordnetes Personal gepflegt werden sollen.

5. Präventionsmaßnahmen: Screening

  • Es sind alle Patientinnen und Patienten mit Risiko für eine Besiedlung oder Infektion mit 4MRGN P. aeruginosa zu screenen und bis zum Vorliegen der Ergebnisse zu isolieren. Als Risikopatienten gelten Patientinnen und Patienten mit kürzlichem Kontakt zum Gesundheitssystem in Ländern mit endemischem Auftreten und Patienten, die zu 4MRGN P. aeruginosa-positiven Patienten Kontakt hatten, das heißt im gleichen Zimmer gepflegt wurden. Darüber hinaus Patientinnen und Patienten mit einem stationären Krankenhausaufenthalt (> 3 Tage) in den zurückliegenden 12 Monaten in einer Region mit erhöhter 4MRGN-Prävalenz. Alle Früh- und Neugeborenen, die intensivmedizinisch behandelt werden.
  • Es sind Sceening-Richtlinien auf Basis der Patientenstruktur festzulegen und regelmäßig auf Basis aktueller Informationen zu aktualisieren.
  • Als Screeningproben sind Rektal- und Rachenabstriche und gegebenenfalls chronische Wunden zu wählen. Ergänzung NICU: MRGN-Infektionserreger besiedeln hauptsächlich den Gastrointestinaltrakt, seltener zusätzlich oder ausschließlich die Schleimhaut der oberen Atemwege. Daher sind  ein Analabstrich und ein Rachenabstrich als Screeningmaterialien geeignet.
  • Screeningablauf in NICUs:
    - wöchentlich (immer am gleichen Wochentag um neu aufgetretene Kolonisationen zeitnah erkennen zu können),
    - gegebenenfalls muss das Intervall des Screenings gekürzt werden,
    - zusätzlich ist ein Screening bei Übernahme von Patientinnen und Patienten aus anderen NICUs oder Intensivabteilungen anderer Fachdisziplinen erforderlich (zum Beispiel Kinderchirurgie, Neurochirurgie, Herzchirurgie).
  • Ein aktives Screening auf 3MRGN P. aeruginosa in der endemischen Situation zur Prävention der weiteren Verbreitung ist nicht durchzuführen, da es sich nicht als effektiv erwiesen hat. Screening aus anderen Gründen, z. B. als Grundlage für kalkulierte empirische Antibiotikatherapien in der Hämatologie-Onkologie, bleibt davon unberührt.

6. Sanierung

Außerhalb der Mukoviszidose-Patientengruppe keine Sanierungsmaßnahmen für mit 3MRGN oder 4MRGN P. aeruginosa besiedelte Patientinnen und Patienten anwenden, da hierdurch eine Resistenzentwicklung für die wenigen noch wirksamen Antibiotika gefördert wird.

Quellen:

Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI). Erschienen im Bundesgesundheitsblatt 10 (2012), S. 1311–1354.

Ergänzung zu den "Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen" (2012) im Rahmen der Anpassung an die epidemiologische Situation. Epidemiologisches Bulletin 21 (2014), S. 183-184.

Praktische Umsetzung sowie krankenhaushygienische und infektionspräventive Konsequenzen des mikrobiellen Kolonisationsscreenings bei intensivmedizinisch behandelten Früh- und Neugeborenen. Epidemiologisches Bulletin 42 (2013), S. 421-436.